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4. November 2017

Belohnung mit Futter - Welpenspielstunde Blog

Warum wir auf Belohnung mit Futter verzichten

Gib dem Affen Zucker! so hiess der etwas eigenwillig auf Deutsch übersetzte Titel einer italienischen Komödie aus den achtziger Jahren. Affen mögen Zucker. Hunde auch. Natürlich, weder Sie noch ich würde heute einem Hund eine Belohnung mit Futter in Form von Zucker geben. Die Tiernahrungsmittel-Industrie bietet dazu viel gesündere Alternativen. Trotzdem verzichten wir bei welpenspielstunde.ch konsequent und mit grosser Überzeugung darauf, unsere Welpen mit Futter zu erziehen. Dieser Artikel erklärt warum.

Nicht nur der Mensch, auch der Hund gewöhnt sich an alles. Wenn der Hund lernt, dass er für alles, was er tut, immer eine Belohnung bekommt, bleibt dem Halter am Ende nur noch eines übrig; füttern, füttern, füttern. Denn wie beim Menschen lernt der Vierbeiner im Welpenalter in Windeseile die wichtigsten Regeln, die es für das, was er will, eingehalten werden müssen. In unserem Fall heisst die Regel: ich arbeite für Futter. Regeln, die immer wieder angewendet werden, schaut der Hund als Gewissheit an. So funktionierts! Wenn ich das tue, bekomme ich mein Futter.

Eine Futterbelohnung sollte die Ausnahme sein, nicht die Regel.
Nicole Stössinger, Spielgruppenleiterin

Das stellt Sie als Hundebesitzer für Ihr zukünftiges Zusammenleben mit dem Hund vor zwei Optionen. Entweder Sie belohnen den Hund weiterhin mit Futter für das Befolgen Ihrer Anweisungen / Signale. Oder aber Sie stellen die Futterbelohnung ein und erzeugen damit bei Ihrem Liebling eine hohe Frustration. Es ist (k)ein Problem, einem Kind zu erklären, warum es nicht gut für die Gesundheit oder die Psyche ist, Erfolg mit Futter zu verknüpfen. Aber erklären Sie das einmal Ihrem ausgewachsenen Hund, der sie treuherzig anblickt, während ihm sein Geifer bereits von den Lefzen auf den Boden tropft.

Der Hund versteht nicht, warum Sie die Belohnung mit Futter gegen die gelernten Regeln einstellen. Er wird seine eigenen Schlüsse daraus ziehen. Das sind nicht unbedingt diejenigen, die sich möchten und die sein Verhalten als gut sozialisierter Lebenspartner auf vier Pfoten fördern. Auch der Bindungsaufbau verläuft damit nicht schneller und reibungsloser.

Aber es gibt eine Lösung. Belohnung, da sind sich nahezu ausnahmslos alle Verhaltensforscher einig, ist wichtig und sie gehört zum Lernerfolg dazu. Die Verknüpfung von Anweisung und Erfolgserlebnis ist zwingend. Aber wer sagt, dass das Erfolgserlebnis nur mit Futter herbeizuführen ist?

Die Stiftung für Blindenführhunde in Allschwil arbeitet im Grundsatz ohne Futter. Die Karriere als Blindenführhund lerntechnisch ein anspruchsvoller Weg. Kaum eine andere Funktion als Nutzhund erfordert ein dermassen zuverlässiges Befolgen einer Vielzahl von Anweisungen. Dort wo ein durchschnittlicher Hund längst aus weit überdurchschnittlich gehorsam gilt, beginnt für einen angehenden Blindenführhund die Reise erst. Man stelle sich vor, wie diese Hunde aussähen, wenn sie während ihrer Ausbildung und Karriere funktionieren würden, wie eine Münzuhr bei einem Autoparkplatz. Führarbeit nur gegen Futtereinwurf.

Hunde sind faszinierende Wesen, die von ihrer Art her längst keine Wildtiere mehr sind. Sie sind für die Nähe zum Menschen geboren und suchen dessen Zustimmung und Akzeptanz. Lob ist darum für einen Hund nicht nur Fressbares, sondern auch liebevolle Worte, Gesten, Streicheleinheiten und ja, sogar liebe Blicke erkennt der Hund als Belohnung. Nicht zu sprechen vom gemeinsamen Spiel mit seinem Lieblingsgegenstand.

Darum lassen sich Hunde genauso gut zum Lernen motivieren ohne Futter, wie mit Futter. Auch Welpen. Das ist eine Tatsache. Natürlich fressen die meisten Hunde fürs Leben gerne und würden manche, könnten sie entscheiden, lieber Futterbelohnung statt Spiel wählen. Auch das ist gut so. Aus diesem Grund belohnen wir unsere Welpen mit Zuneigung und Spiel und verzichten in der Welpenspielstunde grundsätzlich auf Belohnung mit Futter.

Gibt es später tatsächlich eine Situation in welcher der Hund ein Konflikt hat, kann man mit Gegenkonditionierung unteranderem mit Futter arbeiten. Dieser Weg bleibt einem nicht verschlossen. Auch ist es vollkommen klar, dass im Hundesport viel mit der Hilfe von Futter gearbeitet wird. Ob im späteren Hundeleben lieber mit Futter, persönlicher Anerkennung und Freude, oder mit einem Spieli gearbeitet wird, hängt vom jeweiligen Hundeteam ab und ist jedem selbst überlassen.


Im Interesse der Lesbarkeit sind in diesem Artikel die Bezeichnungen auf die männliche Form reduziert. Gemeint sind immer Frauen und Männer | © welpenspielstunde.ch

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